Gipfeltreffen der Automobilindustrie auf dem 2. automotiveDAY auf der CeBIT 2010

Die CeBIT ist die größte Messe für Informationstechnologie. Mit dem automotiveDAY bietet sie jetzt auch der IT in der Automobilbranche eine geeignete Plattform zur Wissensvertiefung und zum Meinungsaustausch. Entsprechend groß war der Andrang der Experten beim zweiten automotiveDAY in Hannover. Es war noch gar nicht an der Zeit, als die ersten Teilnehmer morgens kurz vor neun Uhr schon zum automotiveDAY auftauchten – rund vier Stunden vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung. Entsprechend überrascht waren die gerade erst eingetroffenen Hostessen. Damit hatten auch sie offensichtlich nicht gerechnet. Selbst der dezente und fürsorgliche Hinweis auf die frühe Uhrzeit konnte so manchen Gast letztlich nicht abhalten. „Ich habe gehört, es ist ausgebucht“, lautete der knappe und gehetzte Kommentar eines Teilnehmers auf dem Weg in den Saal Europa. Einwände ließ er nicht gelten. Sein Blick war bereits starr auf die Stuhlreihen gerichtet. Zurück blieb eine verdutzte Hostess. Ein Szenario, das eher an mallorquinische Badestrände erinnerte. Doch der Frühaufsteher sollte recht behalten – der Andrang kurz vor Beginn war groß. Der zweite automotiveDAY in der Geschichte der IT-Messe CeBIT war restlos „ausverkauft“.

So mancher Gast musste erst einmal stehen. Rund 300 Topentscheider füllten gegen 13 Uhr den Saal, als Messe-Vorstand Ernst Raue seine Eröffnungsrede hielt. Die IT ist nicht mehr aus dem Automobilbau wegzudenken, 0hne IT geht fast nichts mehr. Sieben Milliarden Euro investiert die Branche jedes Jahr in die Informationstechnologie. Und der Einfluss der IT wird stetig größer. Die IT entwickelt sich nach Auffassung Raues damit zu einem echten Enabler der Branche. Das große Interesse am automotiveDAY schon im Vorfeld der CeBIT ist dafür ein Beleg. Über 1000 Veranstaltungen konkurrieren teilweise während der fünf Messetage miteinander. 500 Voranmeldungen zum automotiveDAY, von denen lediglich 300 berücksichtigt werden konnten, belegen deutlich, dass das Thema Automobil auf der CeBIT angekommen ist und schon im zweiten Jahr einen hohen Stellenwert genießt – trotz der Vielzahl an attraktiven Parallelveranstaltungen. „Wir wollen den Austausch zwischen den Experten fördern. Und der automotiveDAY ist die jährliche Bestandsaufnahme dazu“, erklärte Messe-Vorstand Raue zum Abschluss den Anwesenden im Saal. „Das ist die künftige Aufgabe des automotiveDAY“.

Moderator und IT-Experte Thomas Köhler nahm den Ball, den Raue in seiner Rede der IT zugespielt hatte, sofort auf und brachte es treffend auf den Punkt: „Früher wurde die IT von den so genannten Car Guys in den Unternehmen nicht wirklich ernst genommen. Die IT hatte kein großes Ansehen. Heute ist die IT unter Umständen ein Wettbewerbsvorteil.“ Und das haben auch die Autobauer erkannt. Die Themen des IT-Gipfels waren entsprechend breit und vielschichtig. Das Spektrum reichte von der Standardisierung über die Integration und schlanke Produktion bis hin zu Trendaspekten wie Cloud Computing oder Business-IT der Zukunft. Letzteren Punkt behandelte Karl-Erich Probst, CIO bei der BMW Group, ausführlich in seinem beachteten Vortrag. Nach Auffassung des Chief Information Officers wird sich die Business-IT wandeln. Der Hintergrund: „Der Kunde hat sich verändert, das Auto ist zum integralen Bestandteil seinen Lebens geworden“, so Probst. Welche Bedeutung kommt dabei der IT zu? Nach Auffassung des CIO ist es inzwischen eine Kunst, in einem internationalen Kundenumfeld mit globalen Produktions- und Lieferantennetzwerken dem Käufer eines Fahrzeugs das Produkt zu geben, das er möchte. Ein hochkomplexes Gesamtsystem. „Die Komplexität entsteht durch die Individualisierung, Segmentierung, Gesetzgebung et cetera“, erläutert der CIO. Allein durch die unterschiedlichen Abgasnormen, Spritqualitäten und die damit verbundenen Auflagen in den einzelnen Ländern wird die Zahl der Motoren beim Münchner Autobauer verzehnfacht. „Dekliniert man das für ein Fahrzeug durch, muss BMW in der Lage sein, 1017 Produkte zu bauen und rechtzeitig weltweit an die Kunden zu liefern.“ Kein einfaches Unterfangen.

Die Wünsche des Kunden, seine Bedürfnisse verändern also die Branche nachhaltig – und beschleunigen sie derzeit extrem. Herausforderungen, auf die man in den Unternehmen reagieren muss. Ein Beispiel ist die sprunghafte Zunahme von neuen Medien im Auto. Telefon, Internet und neuerdings auch Apps treiben die Entwicklung im Zeitraffer voran. Schnelle Reaktionszeiten werden für die Autobauer also immer wichtiger, ohne möglichst das eigene, profitable Wachstum zu vernachlässigen. Die IT muss dazu einen Beitrag leisten – und sich darüber hinaus stetig selbst optimieren. Das bestätigten auch die CIOs von Mercedes und Porsche in ihren Ausführungen. „Sie brauchen optimierte Prozesse und leistungsfähige Informationssysteme“, urteilte Sven Lorenz, CIO bei Porsche. Beides zusammen erhöht nicht nur die Effizienz, sondern verschafft auch klare Wettbewerbs- und Kostenvorteile. Und Michael Gorriz, CIO bei Daimler, ergänzt: „Sie können allerdings nur effizient sein, wenn Sie die Prozesse und Methoden (in der IT) vereinheitlichen.“ Die Schnelligkeit im Business erfordert also eine hocheffiziente IT, die sich zwar nicht jeden Tag neu erfindet, aber dem Business eine Wagenlänge voraus ist. Sowohl Business als auch die IT und beide zusammen sind letztlich gefordert. Die Unternehmen müssen sich dazu allerdings mit der strategischen Positionierung der eigenen IT noch intensiver beschäftigen.

Es reicht nicht mehr aus, auf eine technikorientierte Business-IT zu setzen. Sie muss sich vielmehr nachhaltig an den Geschäftsprozessen ausrichten. Bei Ford wird das mit der so genannten One-IT-Strategie gemacht. Sie orientiert sich nicht nur namentlich an der One-Ford-Business-Strategie. Seit 2007 bündelt Ford sein Know-how in den vier Landeszentren, um Fahrzeuge zu entwickeln und zu gestalten, die wie der neue Ford Focus auf globalen Plattformen aufbauen und somit trotz der länderspezifischen Eigenheiten in Asien, Europa, Nordamerika und Südamerika funktionieren. Nicht anders agiert nun die IT. „Wir brauchen einheitliche IT-Strukturen, damit wir die globalen Businessprozesse einheitlich ablaufen lassen können“, berichtete Hans Joachim Heister, IT-Bereichsleiter bei Ford in Köln. Business und IT gehen also verstärkt aufeinander zu, um Synergien zu heben. Ohne IT geht es also wirklich nicht mehr. Das haben auch die CEOs erkannt. Daimler-Boss Dieter Zetsche beispielsweise studiert persönlich alle drei Monate die Berichte der wichtigsten IT-Projekte. Ein spezielles Ampelsystem zeigt ihm dann an, ob alles auf Grün steht. Einfach und effizient.

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